Was hat Prokrastination mit Resilienz zu tun?

Würfel: Resilienz ist kein GlücksspielBeim Ansehen eines dieser vielen tollen TED/TEDx-Videos bin ich über ein kurzes, aber inspirierendes Video eines sehr jungen Entrepreneur und Studenten namens Vik Nihty zum Thema Prokrastination gestolpert. Vor allem beim letzten Drittel des Videos musste ich unwillkürlich an den Zusammenhang mit Resilienz denken.

Vik Nihty sagt: „I think procrastination is a really serious problem. Because it is about not be able to bring ourselves to do the things, that we know we want to do.“ Also nicht in der Lage zu sein, Dinge zu tun, die wir eigentlich tun wollen. Und das, obwohl einem daraus eindeutige Nachteile entstehen. Das ist eine Verhaltensweise, die auch viele Menschen in Krisen zeigen.

Nihty sagt weiterhin, dass Prokrastination keine Störung (oder Krankheit) sei, es gehe dabei mehr um Entscheidungen, die man macht. Die Entscheidung nicht zu tun, was man jetzt tun sollte, sondern es stattdessen später zu machen. Das hat auch damit zu tun, dass es für manche Menschen ein Problem ist, überhaupt Entscheidungen zu treffen. Auch das ist ein klassisches Probleme von Menschen in Krisen. Sie agieren nicht lösungs- oder zielorientiert, um aus dem jeweiligen Dilemma heraus zu kommen, sondern tun stattdessen gar nichts.

In Wirklichkeit, führt Nihty an, sei Prokrastination eine Diskussion in unserem Gehirn zwischen unserem Limbischen System (Emotion und Triebverhalten) und unserem Präfrontal-Cortex (Bewusstes Denken). Letzterer ist u.a. für unser Gewissen zuständig („du solltest etwas tun“). Warum gewinnt das alte Limbische System unseres Urgehirn so oft den Kampf zwischen Ratio und Emotion?

Schuld ist die Amygdala, Teil des limbischen Systems, die u.a. für den „Fight or Flight“-Modus zuständig ist. Es gibt Situationen, in denen man keine Zeit hat, sich lange Gedanken darüber zu machen, ob man Weglaufen oder Bleiben soll. Hat man Angst, flieht man besser als zu kämpfen. Oder tut ganz andere Dinge, wie Essen oder im Internet surfen.

Notwendige Entscheidungen machen Angst, also flieht man. Aber in unserer modernen Welt selten laufend, sondern eher in Übersprungshandlungen. Aber warum machen Entscheidungen Angst? Zum Beispiel weil man Fehler machen könnte. Und selbst wenn dein Verstand im Präfrontal-Kortex weiß, dass Fehlermachen eine positive Lernerfahrung ist, die dich nach vorne bringt, schafft es das Limbische System dich doch davon zu überzeugen, das Du lieber fliehen solltest. Und die Aufgabe gar nicht erst angehen solltest. Niemand mag Situationen, die schief gehen könnten. Aber kann man ihnen deswegen ausweichen?

Was ist es genau, was Dir Angst macht? Du weißt nicht, wo du anfangen sollst, die Aufgabe überfordert dich. Dir graust vor unangenehmen Aufgaben. Du hast Angst vor Fehlern oder Misslingen. Perfektionisten nutzen Prokrastination als ein Tool, sich selbst zu sabotieren, um eventuelle Fehler zu vermeiden. Wer sich nicht bewegt, kann keinen Fehler machen, also lassen sie es einfach. Wer auf den letzten Drücker anfängt, eine Aufgabe zu erledigen, kann im Falle des Misslingens dem Umstand zu spät losgelegt zu haben, die Schuld geben. Er braucht sich nicht zu fragen, ob er vielleicht nicht intelligent genug oder zu unerfahren war oder einfach nur zu faul. Er hat einfach zu spät angefangen.

Dein Präfrontal-Kortex weiß genau, dass Prokrastination eine dumme Verhaltensweise ist, aber das lässt die Amygdala kalt. Wie können wir also dem alten Urgehirn entgegentreten, um die Prokrastination zu überwinden? Nihty sagt, wir können uns der Meta-Kognition bedienen: Dem Denken über das Denken. Dann können wir Pläne machen. Und wir können große, vielleicht Unbehagen auslösende Dinge, in kleine Einheiten runterbrechen. In Ziele und Aufgaben.

Wenn wir uns der Resilienz-Faktoren bedienen, können wir aus dem großen Problem Prokrastination einzelne Teilaufgaben machen und folgende Tipps entwickeln. So können wir es vielleicht doch überwinden – oder zumindest damit klar kommen:

1. Akzeptanz: Akzeptiere, dass Du prokrastinierst. Prokrastination ist normal. Du bist kein Freak.
2. Optimismus: Man kann sich mit Prokrastination anfreunden und damit leben, damit sogar Bücher schreiben (Lobo/Passig: „Dinge geregelt kriegen, ohne einen Funken Selbstdisziplin“). Das kannst Du auch.
3. Lösungsorientierung: Es gibt aber auch für jeden individuelle Tools, die einem helfen, weniger Dinge vor sich her zu schieben, Dinge frühzeitiger zu erledigen. Finde die Werkzeuge, die zu Dir passen.
4. Kein Opfer mehr sein: Selbstzerfleischung über Unperfektheit bringt Dir nichts. So erledigt sich nichts von dem, was Du erledigen müsstest bzw. willst.
5. (Selbst-)Verantwortung: Du bist der Aufschieber, nicht deine Eltern, Dein Chef, deine Professoren. Wenn Du nicht selbst etwas änderst, tut es niemand anders für dich.
6. Netzwerk: Frage andere, was sie dagegen tun. Was ihre bevorzugten Tools sind. Bitte um Unterstützung.
7. Zukunft: Du hast noch dein ganzes Leben, um zu lernen, mit Prokrastination umzugehen oder es zumindest zu akzeptieren. Du kannst aber auch sofort damit anfangen. Versuch es.
8. Prokrastinierer sind perfekt in Improvisation, das ist ihr täglich Brot. Super, dieser Punkt ist erledigt.
9. Humor ist, wenn man über sich selbst lachen kann. Tue es!

Und das Positive an Prokrastination? Sie gibt Dir Zeit, die Du brauchst, um kreativ zu sein, bereit für kreative Problemlösungen. Nutze sie!

Prokrastination hat viel mit Entscheidung zu tun, Resilienz auch. Beide haben mit Ressourcen und Planung zu tun.  „Dont wait, the time will never been just right“ sagte Napoleon. Die Umstände sind nie perfekt, egal wie lange du wartest.

Getting things done, starts right now!

Nicole Willnow

"Je ne regrette rien."

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