Resilienzfaktor: Netzwerkorientierung

Resilienzfaktor Netzwerkorientierung. Zeichnung: Elke Ehninger

„Man soll sein Netzwerk knüpfen, bevor man es braucht.“ sagt man im Business. Und ja, es ist gut, sein Netz bereits gespannt zu haben, bevor man sich reinfallen lässt.

Resilienzfaktor Netzwerkorientierung. Zeichnung: Elke Ehninger

Resilienzfaktor Netzwerkorientierung. Zeichnung: Elke Ehninger www.ehninger-illustration.de

Vielen Menschen ist aber nicht klar, wie so ein Netzwerk aussehen sollte, wie man es aktiv gestalten und ausbauen kann und worauf es dabei wirklich ankommt. Denn zum einen ist unsere soziale Umgebung nicht unbedingt ein wirkliches Netzwerk. Meist repräsentieren sie nur bestimmte soziale Gruppen wie „Familie“ oder „Freunde“. Nur können diese enge Bindungen nicht alle Bedürfnisse erfüllen und manchmal sind sie sogar eher hinderlich für unsere Entwicklung und unser Vorankommen.

Welche beste Freundin hört schon gerne, dass man am liebsten auswandern möchte? Welcher Mutter gefällt der Gedanke, dass sich das Kind der Wagnis einer Firmengründung stellen möchte? Welcher Partner findet in einem frühen Stadium der Überlegung Gefallen daran, dass man sich möglicherweise umorientieren möchte? Außerdem sind Freunde und Familie oft auch überfordert mit den Fragestellungen und Krisen, mit denen sie konfrontiert werden.

Es ist gut, sich ein Netzwerk aufzubauen und es zu nutzen. Auch wenn dies in Deutschland bei einigen immer noch ein „Gschmäckle“ hat. Wir sollten uns unsere Ziele und Wünsche, aber auch unsere Konflikte ansehen und uns überlegen, welche Personen oder Personengruppe uns bei dem jeweiligen Thema helfen können. Wenn ich beispielsweise gründen will, macht es sehr viel Sinn, mir hier nicht nur Vorbilder zu suchen, sondern auch gezielt ein Umfeld mit Menschen aufzubauen, denen es ebenso geht. Personen, die gleiche Erfahrungen teilen und im Idealfall auch mal durch Rat und Tat weiterhelfen können. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – meine beste Freundin und meine Familie war mit dem Gedanken schlicht überfordert und hätten mich eher gebremst. Sie selber kommen allesamt aus Angestelltenverhältnissen, einem hohen Maß sozialer Absicherung und hielten mich einfach für übermütig, als ich mich selbständig machte.

Man muss sein Netzwerk gezielt und bewusst aufbauen, damit es optimal greift. Und je früher ich damit beginne, umso tragfähiger kann es werden, umso höher ist die Bereitschaft der anderen, mir in der Not zu helfen. Dazu gehört auch eine gewisse Netzwerk-Pflege und persönliches Engagement. Ich kann nicht oft genug betonen, wie wichtig es ist, anderen Menschen Gutes zu tun, ihnen zu helfen und sie zu unterstützen – aber immer mit Bedacht und dem rechten Maß.

Dazu gehört auch, nicht immer gleich „ja“ oder „nein“ zu sagen, sondern – wenn die Frage absehbar war, sich vorher überlegen, ob man hier Zeit investieren kann und will – oder eben nicht. Oder aber sich etwas Bedenkzeit erbitten und sich nach reiflicher Überlegung zurückmelden mit einer passenden Antwort. Wer seinen Wert kennt und seine Grenzen setzt, wird selten ausgenutzt. Denn es obliegt einem selbst, was man für andere tut. In der Regel zwingt mich niemand dazu, über mein Maß hinaus anderen Leuten Gefallen zu erweisen.

Zu dem Aufbau des Netzwerk gehört aber auch der gezielte Abbau. Wer tut mir nicht gut? Wer raubt mir Energie? Wer bremst mich aus? Aus welchen Motiven halte ich an für mich unangenehmen Personen fest? Es gehört zweifellos Mut dazu, sich aus ungesunden Beziehungen zu lösen. Wir müssen uns aber bewusst machen, wie sehr uns manche Personen bremsen, vielleicht sogar schaden durch ihre negative Haltung. Nicht immer kann man solche Beziehungen beenden – aber wenn mir die Erkenntnis bereits vorliegt, dann sollte ich beginnen, die Begegnungen zu reduzieren. Unter Umständen wird es auch erst einmal schwieriger, aber wenn wir diese Situation aushalten – zu unserem Schutze – dann geht es danach oftmals sehr viel besser und wir können uns erleichtert fühlen.

Selbstverständlich ist dies kein Plädoyer dafür, Freunde im Stich zu lassen!. Eine echte Freundschaft besteht aus Geben und Nehmen und dem rechten Maß. Eine Freundschaft sollte symmetrisch und ausgewogen sein. Nicht ständig und jederzeit, aber im Großen und Ganzen schon. Aber wer aus Mitleid oder Verantwortungsgefühl in einer Beziehung bleibt, nimmt dem anderen auch die Chance zu einem wichtigen Entwicklungsschritt. Wer andere bemuttert, lässt sie Kind bleiben. Wer andere stets schützt, übersieht, dass sie eigene Kraft entwickeln müssen. Wer seinem verborgenen „Helfersyndrom“ folgt, dient letztlich nur sich selber.

Gibt es Konflikte, die sich nicht lösen lassen, und bin ich sicher, dass es mir mit dieser Beziehung auch künftig nicht besser gehen wird, dann sollte ich zu meinem Schutze über eine „Trennung“ nachdenken und mich lieber mit positiven, nach-vorne-blickenden Menschen umgeben.

Beziehungen verändern sich über die Jahre, und wenn wir uns ansehen, wie sich Menschen weiterentwickeln, dann ist es nicht verwunderlich, dass es häufiger zu Brüchen kommt. Es ist schön, alte Freundschaften zu erhalten und in Kontakt zu bleiben, aber es ist auch wichtig, immer im „Hier und Jetzt“ zu schauen, was gut und wichtig für mich ist, was mich weiterbringt, was mich stärkt, stützt und schützt.

Denn dann trägt mein Netzwerk auch zu meiner persönlichen Resilienz bei und hilft mir, in Krisen stark sein zu können.

In diesem Sinne: Fröhliches Netzwerken!

 

silkeschippmann

"Erfolg hat drei Buchstaben: TUN."