Resilienz im betrieblichen Gesundheitsmanagement

Tough times never last, tough people do.

„Tough times don’t last, tough people do.“ Zitat: Robert H. Schuller

Seit mehr als fünfzehn Jahren begegnet einem das Konstrukt Work-Life-Balance, dass dazu anhält, sein Leben und seine Arbeit in eine Balance zu bringen. Mal abgesehen davon, dass es damit so aussieht, als ob diese beiden Punkte auf zwei entgegensetzten Enden einer Wippe verortet wären, was in unseren Augen eher fraglich ist, gelingt es anscheinend vielen Menschen nicht, diese Balance zu erreichen. Im Gegenteil: die Ausfallzeiten von Arbeitnehmern steigen weiter. Vor allem die Krankentage aus psychischen Gründen nehmen ständig zu. Wir halten uns körperlich gesünder, aber unser Geist kommt nicht mit. Ob man die Auswirkungen dann Burnout oder Erschöpfungsdepression oder Panikattacken nennt, ist hier irrelevant. Wichtig ist, dass wir uns überlegen, ob und wie wir damit umgehen können.

Hier kommt die Resilienz ins Spiel. Die psychische Widerstandskraft oder mentale Robustheit, das inneres Krisen-Immunsystem, das einem dabei hilft, die Auf und Abs des Lebens, egal ob beruflich oder privat zu bestehen und sogar daran zu wachsen. Es ist mehr als der Stehaufmännchen-Effekt. Es bedeutet, sich selber zu steuern und zu führen und nicht äußeren Umständen ohnmächtig ausgeliefert zu sein. Es bedeutet an Krisen zu wachsen, nicht daran zu zerbrechen. Dazu gehört auch eine innere Haltung, die Dr. Joachim Galuska, Direktor Klinik Heiligenfeld, Lebensführungskompetenz nennt. Eine psychosoziale Kompetenz, die weitreichend sein kann; die nicht nur auf Gesundheit bezogen, sondern für jede Art von Arbeit und alles Miteinander, hilfreich ist. Die Auswirkungen auf mitmenschliche Beziehungen sind offensichtlich und auch das ist wichtig für die Arbeitssituation des Einzelnen. Für Unternehmen wäre das also ein Thema aus dem Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM).

Krisen bewältigen
Die Resilienzforschung sagt, dass resiliente Menschen Qualitäten haben, die ihre Handlungen bestimmen. Sie verfügen über ein Bündel von Ressourcen, Fähigkeiten und Haltungen, die ihnen helfen, mit Krisen besser umzugehen. Man kann Krisen nämlich meist nicht verhindern, aber lernen, diese besser zu bewältigen. Coping nennt man das in der Psychologie auch. Diese Fähigkeit wird in unserer schnelllebigen Welt für Führungskräfte und Mitarbeiter immer existenzieller.

Jeder Mensch hat ein Resilienz-Profil, das sich aus verschiedenen Faktoren zusammensetzt. Die Resilienz-Faktoren variieren von Autor zu Autor, überwiegend werden aber folgende genannt:

  1. Akzeptanz
  2. Optimismus/Zuversicht
  3. Lösungsorientierung
  4. Selbstwirksamkeit
  5. Selbstverantwortung
  6. Netzwerkorientierung
  7. Zukunftsorientierung

Zu den wichtigsten Faktoren gehört sicher Akzeptanz und Selbstwirksamkeit. Akzeptanz ist der Startpunkt, um wieder ins Handeln zu kommen. Denn, erst wenn man akzeptiert, dass es eine Krise oder ein Problem gibt, kann man anfangen über Lösungen nachzudenken. Und erst wenn man sich klar macht, dass man selbst es ist, der die Lösungen finden und umsetzten kann, gibt man die Opferrolle auf und wird sich seiner Selbstwirksamkeit bewusst. Sich bei der Lösungsfindung und Umsetzung in der Zukunft Hilfe oder Unterstützung zu holen, ist keine Schwäche, sondern als „Netzwerkorientierung“ auch einer der Faktoren, der die Resilienz einer Person stärkt.

Resilienz-Profil schärfen
Selten sind die Fähigkeiten in allen Resilienz-Bereichen gleich stark ausgeprägt, so dass sich Menschen, wenn sie Resilienz benötigen, gerne der Faktoren bedienen, die ihnen geläufig sind und andere dabei oft vernachlässigen. Das persönliche Resilienz-Profil ist immer verbesserungswürdig und verbesserungsmöglich. Denn Resilienz kann man trainieren. Präventiv ist es natürlich leichter als dann, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, die Krise oder die Probleme schon da sind. Im voraus daran zu arbeiten, die eigenen Denk- und Handlungmöglichkeiten zu erweitern, baut gleichzeitig die Ohnmacht ab, die viele Mitarbeiter z.B. im Angesicht von Stress befällt und die sie sonst krank macht. Verunsicherung ertragen können, ist auch ein Zeichen von Resilienz.

Resilienztraining führt zu mehr Sicherheit und Gelassenheit. Das wiederum macht Menschen belastbarer und stressresistenter. Sind Mitarbeiter von Unternehmen widerstandsfähiger gegen Krisen, halten sie auch Schwierigkeiten, die das Unternehmen treffen, besser aus. So fallen sie z.B. bei dem damit einhergehenden Stress seltener krankheitsbedingt aus. Sie behalten einen kühlen Kopf, bleiben gelassener, auch wenn es „heiß“ hergeht. All das trägt dazu bei, ein Unternehmen durch dessen Führung in schwierigen Zeiten besser steuern zu können, besonders wenn sich auch die Führungspersonen ihrer Resilienz bewusst sind. Die Resilienz von Mitarbeitern wird damit ein Erfolgsfaktor von Unternehmen. Resilienz-Training als Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements sollte Standard sein. Denn hier kann der Mitarbeiter lernen, Krisen auszuhalten und daran zu wachsen. Eine echte Win-Win-Situation für Mitarbeiter und Unternehmen.

Resiliente Teams und Projekte
Es ist offensichtlich, dass Teams, die aus resilienten Personen zusammengesetzt sind, auch resilienter sein werden, d.h. sie sind weniger anfällig für Krisensituationen. Das gleiche gilt für Projekte, an denen ja üblicherweise mehrere Personen gleichzeitig mitarbeiten. Aber auch Projekte selbst kann man anhand der Resilienz-Faktoren auf ihre Widerstandskraft gegen Schwierigkeiten abklopfen. Am besten natürlich präventiv, also vor Projektstart. Jedoch selbst im laufenden Prozess ist es möglich, so die Faktoren zu finden, an denen es hakt.

healthwork15Resilienz ist sicher kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Aspekt, der mit Hilfe einer guten Analyse und einer Sammlung von Werkzeugen zum Gelingen von unternehmerischen Prozessen sowie zur Gesundheit von Mitarbeitern beitragen kann.

Dieser Artikel von Autorin Nicole Willnow erschien zuerst in der Health@Work 5/2015 unter dem Titel „Starke Ressourcen“.

Nicole Willnow

"Je ne regrette rien."