Resiliente Unternehmen – gibt es die?

Mentale Widerstandskraft verbindet man im ersten Moment eher mit Personen als mit Organisationen. Seit etwa Ende der 1990er Jahre wird der Resilienz-Begriff aber auch auf Unternehmenskontexte angewandt. Kann man Resilienz wirklich auf Unternehmen bzw. Organisationen übertragen? Kann man Unternehmen mit Resilienz krisenfester machen? Glaubt man verschiedenen Autoren von Sach- und Fachbüchern ist das so. Wir wollen diese Ideen selbst einmal näher beleuchten.

Es gibt verschiedene Ansatzpunkte:
1. Die Mitarbeiter als wichtig(st)e Teile des Unternehmens und deren Resilienz
2. Das Unternehmen als Ganzes und dessen Resilienz
3. Teilbereiche des Unternehmens und deren Resilienz. (Beispiel: Projekt-Resilienz, Team-Resilienz etc.)

Punkt 1 ist am einfachsten zu erläutern und zu verstehen, wenn einem das Prinzip der Resilienz an sich schon geläufig ist. Sind die einzelnen Mitarbeiter widerstandsfähiger gegen Krisen, halten sie Schwierigkeiten und Krisen, die das Unternehmen treffen, besser aus. So fallen sie z.B. bei dem damit einhergehenden Stress seltener krankheitsbedingt aus. Sie behalten „einen kühlen Kopf“, bleiben gelassener, auch wenn es „heiß“ hergeht. All das trägt dazu bei, ein Unternehmen durch dessen Führung in schwierigen Zeiten besser steuern zu können. Besonders wenn die Führungspersonen sich ihrer Resilienz bewusst sind und damit Krisen umschiffen oder durchhalten können, bis ruhigere Zeiten kommen.

Hochwasser im Hamburger Hafen

Hochwasser im Hamburger Hafen. Foto: Silke Schippmann

Zu Punkt 2 kann man sich die Frage stellen, welche Kriterien eine Organisation erfüllen muss, um so robust zu sein, mehr oder weniger unvorhersagbare Krisensituationen (z.B. Unglücke, Wirtschaftskrisen, Marktentwicklungen etc.) auszuhalten? Gibt es ein Resilienz-Management, Resilienz-Strategien?

Insbesondere Organisationen, die in einem unklaren und wechselhaften Krisenumfeld operieren (z.B. Militär oder Feuerwehr), also die, die es am dringendsten brauchen, haben Strategien zur Resilienz-Förderung schon umgesetzt. Das amerikanische Militär gibt jährlich 100 Millionen $ aus, um Resilienz-Trainings durchzuführen, mit denen die Soldaten geschult werden, bevor sie in den Kriegseinsatz geschickt werden. Auch bei der Bundeswehr sind mit dem vermehrten Einsatz der Soldaten in ausländischen Einsätzen Resilienz-Trainings notwendig geworden, um PTBS (Posttraumatische Belastungsstörungen) zu verringern. Aber auch Unternehmen, die durch ein einziges Ereignis nicht nur sich, sondern Menschen und Umwelt gefährden, wie Kraftwerke, Raffinerien und andere, haben üblicherweise Strategien für das Krisenmanagement in der Schublade. Resilienz-Strategien sollten Teil des Krisenmanagements sein.

Zu Punkt 3: Es ist offensichtlich, dass Teams, die aus resilienten Personen zusammengesetzt sind, auch resilienter sein werden, d.h. sie sind weniger anfällig für Krisensituationen. Das gleiche gilt für Projekte, an denen ja üblicherweise mehrere Personen gleichzeitig mitarbeiten. Aber auch Projekte selbst kann man anhand der Resilienz-Faktoren auf ihre Widerstandskraft gegen Schwierigkeiten abklopfen. Am besten natürlich präventiv, also vor Projektstart, aber selbst im laufenden Prozess ist es möglich, so die Faktoren zu finden, an denen es hakt.

Tough times never last, tough people do.

Harte Zeiten bleiben nicht, starke Menschen schon.

Resilienz ist sicher kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Aspekt, und kann mit Hilfe einer guten Analyse und einer Sammlung von Tools zum Gelingen von unternehmerischen Prozessen beitragen. Wir werden in Zukunft einzelne Aspekte dieses Bereichs näher beleuchten.

Nicole Willnow

"Je ne regrette rien."

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