Resilient? Das bin ich! – Serie Teil 2

Wir stellen hier in lockerer Folge einige Menschen vor, die wir als besonders resilient beschreiben würden.

Gebetsfahnen

Vielen Dank an unsere zweite Interviewpartnerin. Sie möchte anonym bleiben und das respektieren wir gerne. Sie wurde bei der Tsunami-Katastrophe 2004 in Südostasien im allerletzten Moment vor dem Ertrinken gerettet und hat sich ab diesem Zeitpunkt ein neues Leben erkämpft.

(Herzlichen Dank an dieser Stelle für deine Offenheit, deine Bereitschaft und dem Wunsch, deine Erfahrungen zu teilen!).

1. Welche persönliche oder berufliche Krise hast du gemeistert?

Ich habe in der Vergangenheit, wie viele Andere auch, einige Krisen gemeistert. Jede hatte seine eigene Herausforderung. Meine größte Herausforderung aber war es, nach dem persönlichen Erleben der Tsunami-Katastrophe 2004 in Süd-Ost-Asien wieder ins Leben zurück zu kehren und es für mich lebenswert zu gestalten.

2. Was hat dir Mut und Zuversicht gegeben in deiner schweren Stunde?

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Es gab keine konkrete Sache, es war vielmehr ein Gefühl. Ich wußte einfach von Anfang an, dass ich eine Riesen-Chance erhalten haben. Die Chance mein Leben so zu gestalten, wie es zu mir passt, wie es für mich richtig ist. Ich wollte diese Chance einfach nutzen. Ich hatte so viel Glück. Ich durfte und darf leben!

Dann war da noch etwas, was mich nachhaltig tief berührt hat. Diese alles vernichtenden Wellen haben etwas ungaubliches ausgelöst. So häßlich und grausam das Erleben war, aber direkt danach, gab es noch eine Welle eine viel, viel Größere Welle. Das war eine Welle der Liebe, der Gemeinschaft, des Vertrauens. Ich erinnere mich an viele Momente, wo wir alle für einander da waren. Einfach so und völlig bedingungslos. Jeder hat geholfen, es war bedeutungslos wer man war an welchen Gott man glaubte. Dieses Gefühl habe ich mir bewahrt. Die Erinnerung an diese Momente und das Wissen, dass ich nur diese Einladung zum Glücklich sein habe, geben mir die Kraft die ich brauche.

3. Welche Menschen haben dir beigestanden?

In aller erster Linie die Einheimischen direkt vor Ort. Hier in Deutschland waren es verschiedene Menschen, oftmals Menschen die ich auch erst durch dieses Ereignis kennen gelernt habe. Irgendwie waren immer genau die richtigen Leute da, wenn ich Hilfe brauchte. Zum Beispiel eine Lehrerin (ich habe noch einmal neu studiert) die für mich gesprochen hat, als ich selbst nicht konnte. Eine Freundin, die mir den Kontakt zu einem Coach/Begleiter vermittelt hat. Alles hat sich von alleine gefügt. Ich hatte immer genau die Hilfe, die gerade wichtig war. Ich habe einfach immer Glück.

4. Auf welche Weise hast du dir von anderen helfen lassen?

Ein bisschen habe ich ja schon dazu gesagt. Auf Sri Lanka ging es in aller erster Linie darum, die Versorgung zu gewährleisten. Ich brauchte dringend einen Arzt. Ein Krankenhaus war für uns nicht erreichbar. Ein Singalese kam vorbei und brachte mich zu einem Arzt. Dann ging es weiter. Ich bekam Bekleidung, zu essen und zu trinken, sogar eine Unterkuft und dann sogar die Chance zum Flughafen zu fahren! In Deutschland habe ich einen Coach kennengelernt. Von ihm habe ich mich hauptsächlich begleiten lassen. Dann war da meine Lehrerin, der ich von meinen Flashbacks erzählt habe und die für mich diese Information im Kollegium gestreut hat. Ich wollte einfach keine Sonderbehandlung – ich wollte einfach die Chance wieder auf die eigenen Füße zu kommen und zu lernen, mit meinen neuen Besonderheiten umzugehen, mich kennenzulernen, so wie ich auf einmal war. Als ich Leute gesucht habe, die verstehen, was in mir vorgeht, weil sie es selber erlebt haben, habe ich auch diese gefunden bzw. sie haben mich gefunden. Daraus ist eine richtige Freundschaft gewachsen.

5. In welchem Moment hast du gemerkt, dass du stark bist?

Um ehrlich zu sein, halte ich mich nicht für besonders stark. Ich habe einfach irgendwie so eine innere Gelassenheit. Ich weiß, dass ich mein Leben in der Hand habe, ich kann es gestalten. Wenn ich mal wieder von einer Herausforderung stehe, kann es schon mal vorkommen, dass ich mit mir selber rede und mir Mut mache.

6. Gestehst du dir Momente der Schwäche zu, wenn ja, wann und wie sieht das aus?

Es gibt absolut Momente, an denen ich die Ohren hängen lasse. In der Regel ziehe ich mich zurück und suche die Stille. Ich bin dann eher verschlossen. Gerne halte ich mich dann draußen auf, am Meer. Ich muss dann nachdenken und ja, ich weine auch. Ich halte meine Tränen nicht mehr fest, ich lasse sie laufen.

7. Wie gehst du heute mit Problemen um?

Ich packe sie an. Manchmal dauert es ein wenig, bis ich Probleme erkannt habe und dann auch bereit bin, mich Ihnen zu stellen. Ich weiß, dass ich die Probleme ausschließlich für mich löse und nur ich sie lösen kann. Bei größeren Sorgen hole ich mir Begleitung.

8. Welches Motiv oder Mantra hilft Dir, weder auf die Füße zu kommen?

…………………………Ich lebe!……………………………………

9. Welche drei positiven Eigenschaften würden dir deine besten Freunde oder Familienmitglieder zuschreiben?

Oh, wow, das Einfachste wäre, sie das zu fragen. Ich vermute, sie sagen folgendes: Optimist, hilfsbereit, ehrlich.

10. Welchen Tipp möchtest du anderen mit auf dem Weg geben, die sich gerade inmitten einer Krise befinden?

Ich würde folgenden Tipp geben: Rede über Deine Sorgen und nimm sie ernst. Vertraue Dir selber und Deinem ureigensten Gefühl. Habe keine Scheu, Dir Hilfe zu holen. Hinter jeder Herausforderung in unserem Leben steckt die Chance, etwas für sich selber zu erkennen, etwas über sich zu lernen und daran zu wachsen. Es ist nicht immer einfach, aber es ist ein Weg, der sich lohnt.

Ihr möchtet eure (Stehaufmännchen-)Geschichte mit uns und unseren Lesern teilen? Dann schreibt uns unter info@gesellschaft-fuer-resilienz.de. Eure Erlebnisse können anderen helfen. Vielen Dank!

Nicole Willnow

"Je ne regrette rien."

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