Hinfallen, Aufstehen, Weitermachen – Interview mit Mrs. City

Magazin Mrs. City

Magazin Mrs. City

Für ein Dossier zum Thema, Umgehen mit Scheitern, haben wir der Zeitschrift Mrs. City ein kleines Interview gegeben.

Sieben Frauen, die Krisen erlebt haben, sind gefragt worden, wie sie damit umgegangen sind. Es ist sehr interessant zu lesen, was sie aus den Herausforderungen gelernt haben und was sie im Endeffekt damit gemacht haben.

Als Experten für Resilienz wurden wir nach unserer grundsätzlichen Einschätzung in Sachen Scheitern gefragt. Hier unsere Antworten dazu, inwieweit Resilienz bei solchen Situationen hilfreich sein kann:

Wie kann man Misserfolge im Leben/im Beruf für sich nutzen?
Am ehesten, in dem man daraus lernt. Jedem Menschen können Fehler unterlaufen, jeder kann mal stolpern, solange man wieder aufsteht, kann man neu anfangen. Das Wiederaufstehen, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und es dann im besten Fall besser machen, das ist Resilienz.

„Scheitern gehört zum Erfolg! … Im Scheitern liegt immer eine neue Chance – diese zu ergreifen, muss erlaubt sein.“ Anne Koark

Resilienz ist die Fähigkeit, Krisen gut zu meistern. Wie funktioniert das?
Resilienz ist die innere Widerstandskraft oder mentale Robustheit, ein inneres Krisen-Immunsystem, das einem dabei hilft, die Auf und Abs des Lebens, egal ob beruflich oder privat zu bestehen und sogar daran zu wachsen. Es ist mehr als der Stehaufmännchen-Effekt. Es bedeutet, sich selber zu steuern und zu führen und nicht äußeren Umständen ohnmächtig ausgeliefert zu sein. Es bedeutet an Krisen zu wachsen, nicht daran zu zerbrechen.

Resilienz setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen, unter anderem Akzeptanz, Eigenverantwortung, Lösungsorientierung. Jeder Mensch an ein unterschiedliches Resilienz-Profil und bedient sich unterschiedlicher Mechanismen, um Probleme zu meistern. Man kann die einzelnen Faktoren stärken und damit mehr Handlungsspielraum erwerben. Es geht darum, erst einmal zu Verstehen und dann zu Verändern, dann schafft man sich einen größeren „Werkzeugkasten“, um Krisen in Chancen zu verwandeln.

Wie kann man verhindern, dass man nach dem Scheitern in ein Loch fällt?
Indem man aufhört gegen Dinge zu kämpfen, die man nicht mehr ändern kann.  Akzeptanz ist der Startpunkt, um wieder ins Handeln zu kommen. Erst wenn man akzeptiert, dass es eine Krise oder ein Problem gibt, kann man anfangen über Lösungen nachzudenken. Andernfalls gilt: „Angst essen Lösung auf“.

Indem man sich überlegt, was man früher in schwierigen Situationen gemacht hat, um aus dem Loch zu kriechen, stärkt man seinen Optimismus, auch dieses Mal einen Weg zu finden. Und man vergegenwärtigt sich, dass das man das früher schon geschafft hat.

Wenn man anfängt wieder aktiv zu werden, wird man aufhören, sich als Versager zu fühlen. Scheitern kann belastend sein, weil man sich ohnmächtig fühlt. Wenn man aus seiner Lethargie herauskommt, Aktivitäten in Angriff nimmt, entwickelt man eine Form von mentaler Souveränität.

In der Gesellschaft ist Scheitern immer noch negativ besetzt und eher ein Tabuthema. Woran liegt das?
Als Tabuthema würde ich es nicht sehen. Mich persönlich stört aber schon der Begriff „Scheitern“. Das erinnert mich immer an den Scheiterhaufen. Kein Wunder, wenn man den meidet. Wenn man über Fehler spricht oder über Misslingen, wird das schon weniger negativ angesehen.  Man kann auch sagen, etwas hat nicht geklappt, nicht funktioniert. Klar ist, wer kein Risiko eingeht, kann auch nicht gewinnen. Viele Menschen haben aber nicht genug Risikofreude. Sie empfinden gleichzeitig Bewunderung und Neid, wenn andere Personen den Mut finden, etwas zu riskieren. Und dann vielleicht etwas Schadenfreude, wenn es misslingt. „Das konnte ja nichts werden,“ wäre der klassische Kommentar. Und das will niemand hören, der gerade gescheitert ist. Niemand will als Versager gelten. Aber ohne Mut zum Risiko gibt es keine Weiterentwicklung, das sollte man sich immer sagen.

Ist Scheitern eine gute Basis dafür, dass es bei einem Neustart besser läuft?
Nur dann, wenn man aus dem Scheitern etwas gelernt hat. Also Hinfallen und wieder aufstehen ist gut, aber wenn man sich nicht anschließend die Schuhe zubindet oder die Stolperfallen beiseite räumt, wird man immer wieder hinfallen. Das gibt auf Dauer blaue Flecken, die man nur verhindert, wenn man sich Gedanken macht, was man in Zukunft besser machen kann. Dann lohnt der Neuanfang aber meistens.

Was für konkrete Tipps geben sie den Teilnehmern ihres Workshops mit?
Das ist die typische Frage nach dem schnellen Erfolg. So funktioniert Resilienz aber nicht. Erstens hat jeder eine ganz persönliche Resilienz-Fähigkeit. Jeder braucht also eine individuelle Strategie, seine Resilienz zu steigern. Und zweitens hat jeder seine sehr persönlichen Erfahrungen mit Krisen.

Gegen die Ohnmacht in die Offensive gehen. Die Opferhaltung aufgeben, die eigene Situation reflektieren, wenn nötig mit Hilfe von Außen. Loslassen lernen. Mit kleinen Schritten und Achtsamkeit sein Verhalten reflektieren. Kreative Lösungsfindung trainieren. Entscheidungen treffen lernen. Es gibt viele Ansatzpunkte. Schlussendlich ist es eine Haltungsfrage.

Was kann das Umfeld tun, um Menschen nach einer Niederlage zu unterstützen?
Reden. Kommunizieren. Hilfe anbieten, wenn der Mensch es nicht schafft, selbst danach zu fragen. Bei der Lösungsfindung helfen. Mit Informationen und als Sparringspartner.

Daran erinnern, welche Krisen man schon gemeistert hat, vielleicht sogar gemeinsam. Denn es gilt immer noch das alte Sprichwort: „Geteiltes Leid ist halbes Leid.“

Nicole Willnow

"Je ne regrette rien."