Die Resilienz-Faktoren: Selbstverantwortung

Resilienzfaktor Selbstverantwortung

Nachdem wir bereits vier Resilienz-Faktoren erläutert haben, die zur mentalen Widerstandskraft beitragen, nehmen wir uns heute Nummer 5, die Selbstverantwortung, vor: Wer erkannt hat, dass er selbst wirksam sein kann (Artikel), ist nur einen Schritt davon entfernt, auch selbst die Verantwortung zu übernehmen und der Zukunft und notwendigen Veränderungen aktiv entgegen zu gehen.

Was auch immer uns an Herausforderungen oder Widrigkeiten begegnet, WIR haben die Wahl, WIE wir darauf reagieren. Wer eigenverantwortlich handelt, macht sich bewusst, dass er über seine eigenen Reaktionen auf Probleme ganz allein entscheidet. Wer dagegen andere verantwortlich macht, macht sich selbst zum Opfer, fühlt sich ohnmächtig. In dem Wort Eigenverantwortung steckt das Wort „Antwort“ und das Wort „eigen“. Es geht also darum, die eigene Antwort zu finden auf Umstände, die mich herausfordern.

Sicher kann man die Umstände nicht immer beeinflussen, aber man kann sich Handlungsspielräume schaffen und diese nutzen. Spielräume können kleiner oder größer sein, aber jeder einzelne Schritt zählt auf dem Weg raus aus der Krise. Ein Handlungsspielraum kann auch sein, die Situation zu verlassen, die einem nicht mehr passt. Der Weg aus der Krise ist fast immer verbunden mit einer Neuorientierung.

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“ Jean Baptiste Moliere

Zu unterscheiden, wo wir tätig werden und wo nicht, gehört auch zur Selbstverantwortung. „Gerade Menschen mit hohem Verantwortungsbewusstsein vergessen manchmal, dass sie vor allem für sich selbst verantwortlich sind. Sie kümmern sich um alles und jeden und nehmen anderen sogar die Dinge aus der Hand.“ sagt Autorin Monika Gruhl. Dabei überfordern sie sich häufig selbst. Ein typisches Verhalten von Menschen mit dem sogenannten Helfersyndrom, das erklärt, warum es gerade in Helfer-Berufen so viele Burnout-Fälle auftreten. Wenn Menschen anderen alles abnehmen, dominieren sie diese außerdem, ohne dass ihnen das klar ist. Eine andere, wahrscheinlich bessere Möglichkeit wäre Hilfe zur Selbsthilfe, die das Gegenüber in die eigene Selbstverantwortung bringt.

Entscheidend ist also, die Verantwortung für das eigene Tun oder Nicht-Tun zu übernehmen. Aber auch für die eigenen Gedanken und Gefühle ist jeder selbst zuständig. Andere oder die Situation als Verursacher der Verhältnisse anzusehen (oder noch schlimmer zu beschuldigen) hilft niemanden. Selbstmitleid ist vorübergehend normal und vertretbar, aber es wird niemand gezwungen, sich darin zu suhlen. Auch die gefühlte Abhängigkeit von anderen Menschen und deren Anerkennung löst sich auf, wenn man die Selbstverantwortung annimmt und den eigenen Fähigkeiten vertraut.

Natürlich gibt es Ereignisse, auf die wir keinen Einfluss haben, die unser Leben auf den Kopf stellen. Resilient sein heißt aber, nach angemessener Zeit trotzdem wieder das Steuer in die Hand zu nehmen, sich der eigenen Selbstwirksamkeit bewusst zu werden und dann die Verantwortung für die eigene Zukunft auch zu übernehmen. Jeder kann Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen und geeignete Veränderungen anstreben. Wer das auf Dauer also über längere Zeit nicht kann, braucht irgendwann unbedingt professionelle Hilfe eines Therapeuten. Zögern Sie nicht, sich helfen zu lassen. Übernehmen Sie die Verantwortung, darüber zu entscheiden, ob Sie sich selbst helfen können oder sich Hilfe holen.

„Almost every successful person begins with two beliefs: the future can be better than the present, and I have the power to make it so.“ David Brooks

Nicole Willnow

"Je ne regrette rien."

Kommentar (1)

  1. Pingback: Schöner Scheitern – Kann Resilienz helfen? | Gesellschaft für Resilienz

Kommentare sind geschlossen.